Im Wettskandal-Prozess um Manipulationen im europäischen Fußball, der derzeit vor dem Landgericht in Bochum verhandelt wird, wurden wieder neue Details bekannt. 200 Partien standen unter Verdacht, von Wettbetrügern manipuliert worden zu sein. Betroffen soll nun auch ein Spiel der Champions League sein.
Am Freitag wurde bekannt, dass die lang erwartete Anklageschrift gegen die mutmaßlichen Drahtzieher im Wettbetrug Ante S. und Marijo C. Auch das Champions League Gruppenspiel zwischen dem ungarischen VSC Debrecen und dem AC Florenz vom 20. Oktober 2009 enthalten soll. Den Beschuldigten, die insgesamt 3,5 Millionen Euro auf 47 manipulierte Spiele gesetzt haben sollen, wird außerdem vorgeworfen, mehrere in der 2. Bundesliga mehrere Spiele des VfL Osnabrück, zwei Europa Liga-Partien (FC Basel gegen ZSKA Sofia und Aalborg BK gegen Slavia Sarajevo) sowie Pflicht- und Testspiele im Ausland verschoben zu haben. Es heißt, 30 dieser 47 Spiele seien bislang noch nicht Gegenstand des seit Oktober vergangenen Jahres laufenden Prozesses in Bochum sein.
„Es geht um Spiele in Slowenien, der höchsten Schweizer Liga, der WM-Qualifikation Liechtenstein gegen Finnland sowie ein Schweizer U21-Länderspiel. In der Champions League ist Debrecen gegen Florenz betroffen“, bestätigte der Pressesprecher des Bochumer Landgerichts. Er drückte seine Verwunderung darüber aus, dass die Staatsanwaltschaft die Anklageerhebung öffentlich machte, obwohl „meines Wissens die Schrift nicht vollumfänglich zugestellt wurde“. Für Überraschung sorgte die Aussage, die „höchste Schweizer Liga“ sei betroffen, da bisher lediglich von manipulierten Spielen in der zweithöchsten Schweizer Liga, der Challenge League, die Rede war. Dass auch die Super League betroffen sein soll, ist der Schweizer Football League (SFL) neu. „Wir sind nicht informiert worden. Die Aussage des Pressesprechers erstaunt mich“, so ein Sprecher.
Ante S. - der bereits 2005 im Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer Schlüsselfigur war - und Marijo C. standen bisher nur als Zeugen vor dem Landgericht und legten dort umfassende Geständnisse ab. Das Duo, das bereits seit 14 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, soll mit manipulierten Wetten 2,8 Millionen Euro Gewinn erzielt haben, Spieler und Schiedsrichter mit Unsummen geschmiert haben. Nun müssen die Wettpaten auf die Anklagebank.
Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek ist zuversichtlich, nun die Köpfe im größten Wettskandal, den der europäische Fußball jemals gesehen hat, anzuklagen. “Das sind aus unserer Sicht die beiden Hauptverantwortlichen”, so Bienioßek. Die wohl dicksten Fische des Skandals müssen nun mit Haftstrafen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs rechnen. Darauf stehen Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren, in weniger schweren Fällen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.