Die Torwartfrage spaltete in den vergangenen Monaten die bayerische Fußballwelt. Bayern-Fans unterteilten sich in Fans des Ausnahmeschlussmanns und in Ultras, die mit Parolen wie „Koan Neuer“ gegen eine Verpflichtung des Schalkers protestierten und mit ihren Verbalattacken sogar vor Präsident Uli Hoeneß nicht haltmachten. Nun, da das Transfertheater um das Gelsenkirchener Eigengewächs beendet ist, müssen sich die Fans der „Roten“ wohl oder übel damit anfreunden, dass der Nationalkeeper fortan ihre Nummer eins ist – und das haben sie allem Anschein nach schon getan.
Bei der offiziellen Saisoneröffnung der Münchner wurde der Neuzugang mit viel Applaus empfangen. Bei einem Showtraining in der Münchner Allianz Arena präsentierte Jupp Heynckes seinen neuen Kader, und allen voran den neuen Torhüter, am Samstag der Öffentlichkeit. Vor gut 30.000 Zuschauern trainierte der 25-Jährige, der zeit seines Lebens für den FC Schalke die Bälle gehalten hatte, erstmals öffentlich mit seinen neuen Kollegen. „Das ist schon ein anderes Gefühl, aber ein schönes“, gestand der Torwart, der bei Schalke einer der Publikumslieblinge gewesen war. Doch er schien durchaus optimistisch, dass er sich in München schon bald eingespielt haben wird, und auch von den Fans als einer der Ihren akzeptiert werden wird. „Mit den ersten Spielen wird es leichter werden für mich“, ist Neuer überzeugt.
Die Voraussetzungen für eine fantastische Saison sind zumindest schon einmal gegeben. Anstatt wie in der Vorsaison mit Schalke um den Abstieg zu kämpfen, genießt Neuer mit dem Rekordmeister die absolute Favoritenrolle in den online Wetten auf den Titel. Nicht nur in der Liga will man allerdings ganz oben mitspielen. Das erklärte Saisonziel ist der Einzug ins Champions-League-Finale, das in der heimischen Arena ausgetragen wird, und auch im DFB Pokal will man es dieses Mal wieder bis ins Finale schaffen. Die erste Gelegenheit, die Weichen dafür zu stellen, haben Neuer und Co. schon am 1. August, wenn sie im ersten Pflichtspiel der Saison zum Pokalspiel nach Braunschweig reisen. Naturgemäß haben die Bayern gegen den Zweitliga-Aufsteiger die Favoritenrolle inne.
Bis es so weit ist, wird man in München noch nach hochkarätiger Unterstützung suchen. Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen nach wie vor Jerome Boateng (Manchester City) und Arturo Vidal (Bayer Leverkusen). Die Verhandlungen gestalten sich jedoch schleppend, und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge betonte, der FC Bayern sei kein „Manchester City, wo man in den Kuhstall kommen kann, um uns zu “melken”. Mit einem Hinweis auf die verbleibenden acht Wochen der Transferperiode zeigte sich Rummenigge gelassen und auch anderen Lösungen gegenüber nicht abgeneigt. Schau mer mal, wie der Bayer sagt.