Spannung ist bei den Spielen des FC Bayern derzeit ein Fremdwort. Mit allen Kräften kämpfen die Münchner derzeit für das Saisonziel Meisterschaft, Pokalfinale und Champions-League-Finale. So auch in der 1. Bundesliga beim 183. bayerisch-fränkischen Derby zwischen dem Rekordmeister und dem 1. FC Nürnberg, bei dem eigentlich nur eine Mannschaft spielte: die Münchner. Mit den vier Gegentoren waren die Nürnberger dabei noch gut bedient. Denn wenn die Bayern in der zweiten Halbzeit nicht einen Gang zurückgeschaltet hätten, dann hätte es zur Katastrophe für die Franken werden können.
Dabei war das Spiel der Bayern in der ersten Halbzeit vom Tempo und von den Angriffskombinationen her überragend. Auf nationaler Ebene kann da derzeit keine Mannschaft mithalten. Dabei ist vor allem auch die Entwicklung der Mannschaft unter Jupp Henyckes interessant. Seit dessen Amtsantritt spielt das Team um Kapitän Philipp Lahm konzentrierter, disziplinierter und setzt mehr auf Defensivarbeit. Und das sind wiederum die besten Grundlagen, um auch in der Offensive aufzutrumpfen.
Vor allem zwei Dinge waren im Spiel gegen den „Club“ auffällig. Zum einen wird der Ball nicht mehr lange in der eigenen Hälfte gehalten, sondern schnell in die gegnerische geschoben. Dadurch hat vor allem die Offensive Vorteile, weil sich der Gegner nicht mehr wie bisher in der Abwehr ordnen kann. Das beste Beispiel dafür war die Entstehung zur 1:0-Führung am Samstag. Holger Badstuber schlug einen weiten Pass auf Bastian Schweinsteiger, der mit einer präzisen Flanke den Kopfballtreffer von Mario Gomez vorbereitete. Es reichten praktisch zwei Pässe um zur Torchance zu kommen. Ein perfekter Angriff, besser und schneller geht es nicht.
Die zweite positive Entwicklung ist der schnelle Tempowechsel der Münchner, den Heynckes vermutlich täglich trainieren lässt. Die in den vergangenen Spielzeiten teils arg trägen Münchner sind nun in der Lage, urplötzlich und komplett überraschend einen Gang hochzuschalten. So zum Beispiel Lahm und Ribery, die sich beim 2:0 auf engstem Raum durchkombinierten und sich so auf Weltklasseniveau durch die gegnerischen Abwehrreihen kämpften. Vor allem für den Gegner sind solche raschen Tempowechsel brandgefährlich: Was zuerst völlig ungefährlich für das Nürnberger Tor wirkte, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Torerfolg.
Dass die Bayern nach der 4:0-Führung einen Gang zurückschalteten, ist ganz normal. Zum einen war das Spiel entschieden, zum anderen galt es für die Spieler, ihre Kräfte in Hinblick auf den Champions League-Kracher gegen Neapel am Mittwoch zu schonen. Spätestens da wird es für den Rekordmeister wieder etwas anstrengender. Gegen die derzeit etwas formschwachen Italiener gelten die Bayern jedoch als der klare Favorit.